Hintergrundartikel zur Familienchronik Egener. Georg Peter Egener und seine Frau Anna Catharina Born lebten im späten 18. Jahrhundert im Kirchspiel Rott, dem Gebiet um Mulartz-Hütt. Dieser Artikel beschreibt den historischen Rahmen, in dem sich ihr Leben abspielte.
Lage
Mulartshütte liegt im Tal der Vicht, in der nördlichen Eifel. Der Ort entstand an der Kreuzung der alten „Hahner Straße“ (Lammersdorf–Vennwegen) mit dem Vichtbach – der wichtigsten Verbindung aus dem Kernraum des Monschauer Landes nach Norden, in das Land Kornelimünster und weiter nach Aachen. Heute ist Mulartshütte ein Ortsteil der Gemeinde Roetgen.
Verwaltung und Kirchenzugehörigkeit um 1780
Um 1780 gehörte Mulartshütte zum Amt Monjoye (Monschau) unter habsburgischer Herrschaft (Österreichische Niederlande). Kirchlich war der Ort der Pfarrei Rott zugeordnet; das Bistum war Lüttich. Mulartshütte und das benachbarte Rott bildeten zusammen den engeren Lebensraum der Familie Egener-Born.
Die Zivilstandsregister beginnen erst mit der französischen Verwaltung ab 1798. Für die Zeit davor sind die Kirchenbücher der Pfarrei Rott die einzige systematische Quelle für Geburten, Heiraten und Todesfälle.
Nach der Niederlage Napoleons fiel das Gebiet 1815 an Preußen. In der preußischen Kommunalordnung von 1816 bildete Mulartshütte gemeinsam mit Zweifall und Lammersdorf eine Bürgermeisterei.
Wirtschaft im 18. Jahrhundert: Vom Eisen zum Tuch
Der Name des Ortes verweist auf seinen Ursprung: Eine Eisenhütte, urkundlich erstmals 1502/03 als „vp der Hutten“erwähnt und nach ihrem ersten Betreiber – 1503/04 als Muylart vp der Hutten bezeugt – benannt, hatte dem Ort seinen Namen gegeben. Das Ende der Eisenproduktion war jedoch bereits in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts eingetreten, als die wachsende Konkurrenz um Holzkohle und die schwierigen Transportwege die Eisengewinnung im ländlichen Vichtbachtal unwirtschaftlich machten, während die Metallverarbeitung in Aachen und Stolberg voranschritt.
An die Stelle der Eisenproduktion trat das Tuchmachergewerbe. Im 18. Jahrhundert, als Georg Peter Egener und Anna Catharina Born in Mulartz-Hütt lebten, war die Tuchmacherei der bestimmende Wirtschaftszweig des Ortes. Ein Teil der früheren Metallarbeiter und Reidemeister (Betreiber erzverarbeitender Betriebe) hatte im aufstrebenden Eifeler Tuchgewerbe eine neue Beschäftigung gefunden.
Georg Peter Egener selbst arbeitete als Weber – sein Beruf steht damit unmittelbar in diesem wirtschaftlichen Kontext der Tuchmacherzeit.
Die Blütezeit der Tuchindustrie im Monschauer Land lag in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, genau in der Lebenszeit der Familie Egener-Born. Das Alte Jägerhaus am Dorfplatz, ein barockes Großfachwerkhaus (datiert 1763), ist das bis heute erhaltene bauliche Zeugnis dieses Wohlstands. Es stand also schon dort als die Egeners in Mulartshütte lebten.

Foto aus der Aachener Zeitung von Jürgen Lange
Im 19. Jahrhundert verlor das Tuchmachergewerbe seine wirtschaftliche Grundlage; die meisten Einwohner wandten sich der Landwirtschaft zu. Die Kinder der Familie Egener-Born folgten der industriellen Verdichtung um Aachen: Johann Mathias heiratete 1807 in Burtscheid, Magdalena 1811 ebenda.
Ortscharakter und Bausubstanz
Typisch für Mulartshütte sind zahlreiche Bruchstein- und Fachwerkhäuser aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Die alte Nagelschmiede am Dorfplatz erinnert noch heute an die frühere Eisenindustrie. Das Quellgebiet des Rommerichsief liegt zwischen dem Forsthaus Mulartshütte und der Siedlung Romerich.
👨👩👧👦 Egener & Born — Familien in Mulartshütte (1774–1793)
Georg Peter Egener & Anna Catharina Born
- Egener Georg Peter 1745 (Weber aus Reifferscheid)
- Born Anna Catharina 1746 (Tochter von Jois Born, Mulartshütte-Familie)
- Heirat: 25. Mai 1777 in Pfarrei Rott
- Wohnort: Mulartz-Hütt
- Kinder: 7 Söhne und Töchter getauft 1777–1792
Verwandtschaftsnetzwerk
Die Born-Familie war im Ort verwurzelt:
- Born Jois (Schwiegervater) — Großvater von 7 Egener-Kindern
- Ketnus Helenae (Schwiegermutter) — † 1773, vor der Eheschließung
- Jacobo Born (Onkel) — Trauezeuge 1777
- Christina Born (Tante) — † 1780 (nur 3,5 Jahre nach der Heirat ihrer Schwester)
📜 Kirchenbuch-Dokumentation
Pfarrei Rott (zuständig für Mulartshütte):
- 18 urkundliche Einträge für die Egener-Family (1774–1793)
- Taufen: 7 Kinder dokumentiert
- Heiraten: Georg Peter × Anna Catharina 1777
- Begräbnisse: 3 Todesfälle in der Familie (hohe Kindersterblichkeit)
Quellen:
- Kirchenbuch Rott (Pfarrei Rott, St. Antonius), Einträge E.550–E.808
- Kirchenbuch Burtscheid St. Michael, KB 068_3
🔗 Patennetzwerk in Mulartshütte
Das Dorf war durch ein dichtes Patennetzwerk verbunden:
| Familie | Verbindung | Beweis |
|---|---|---|
| Born | Schwiegereltern; Großvater Jois als Taufpate | KB Rott E.635, E.689 |
| Niderau / Rombach | Gegenseitige Patenschaften (1778–1792) | KB Rott E.620, E.763, E.808 |
| Krott | Taufpaten bei Egener-Kindern | KB Rott E.771, E.808 |
| Speicher | Taufpatin „ex Hütt“ (aus der Hütte) | KB Rott E.689, E.771 |
🏘️ Alltagsleben um 1780
Beruf & Handwerk:
- Weber, Tuchmacher, Eisenarbeiter
- Nachbarschaft bestimmte oft die Taufpatenschaften
- Verwandtschaft knüpfte Bande über Generationen
Frühe Industrialisierung:
- Hüttenwerk war Motor der lokalen Wirtschaft
- Handwerk & Industrie eng verflochten
- Nach 1790: Verlagerung nach Aachen (Textilindustrie expandiert dort)
Kirche & Sakramente:
- Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse in Pfarrei Rott
- Priester dokumentierten in Latein
- Paten waren soziale Verpflichtung, nicht nur Religion
📉 Das Ende der Rott-Zeit
Nach 1792 verliert sich die Spur der Egener-Familie in Mulartshütte:
- 1807: Johann Mathias heiratet in Burtscheid
- 1811: Magdalena heiratet in Burtscheid
- 1807: Georg Peter stirbt in Aachen (17. Dez)
Grund: Industrialisierung & Migration nach Aachen — größere Arbeitsmarkt für Weber und Textilarbeiter.
Weiterführende Literatur
- Hoffmann, Manfred: Zu Mulartshüttes Frühzeit. In: Das Monschauer Land, Jb. 21 (1993), S. 33–38
- Steinröx, H.: Der Ursprung des Ortes Mulartshütte. In: Das Monschauer Land, Jb. 14 (1986), S. 49–51
- Hoffmann, Manfred: Das Ende der Eisenproduktion in Mulartshütte. In: Das Monschauer Land, Jb. 22 (1994), S. 33–37
- Läufer, B.: Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten. Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte. Monschau – Aachen 2006 (= Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes, Bd. 7)
- Hülsheger, Rainer: Zur Geschichte des Ortes Mulartshütte und einiger historischer Häuser. In: Das Monschauer Land, Jb. 52 (2024), S. 84–109

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