Der erste bekannte Vorfahre in Beratzhausen
Diese Geschichte des ältesten fassbaren Vorfahren der Egener-Linie stützt sich auf gesicherte Primärquellen. Hypothesen sind ausdrücklich als solche gekennzeichnet.
Ein Mann ohne Vorgeschichte
Wer die Beratzhausener Kirchenbücher nach dem Namen Egner durchsucht, findet ihn zuerst: Martin Egner, begraben am 15. Juni 1696. Kein früherer Egner taucht in diesen Büchern auf — kein Taufeintrag, kein Heiratseintrag, keine Spur vor seinem Tod. Er kam von auswärts und brachte seinen Namen mit. Beratzhausen, ein kleiner Marktort in der Oberpfalz, war nicht sein Geburtsort. Wo dieser lag, ist bis heute unbekannt.
Der Beerdigungseintrag im Kirchenbuch Beratzhausen ist knapp und klar:
„15 Junij Sepultus est Martinus Egner civis in Beratzhausen, munitus cunctisque sacramentis. annor. 60.“
Übersetzt: Am 15. Juni wurde begraben Martinus Egner, Bürger in Beratzhausen, versehen mit allen Sterbesakramenten. 60 Jahre [alt].
Quelle: Beerdigungseintrag Egner Martin 1696 Beratzhausen
Aus dieser einzigen Zeile lässt sich ein erstes Profil zeichnen: Martin Egner war Bürger (civis) — er hatte das Bürgerrecht von Beratzhausen erworben, was bedeutet, dass er sich als anerkanntes Mitglied der Stadtgesellschaft etabliert hatte. Er starb als Katholik mit allen Sakramenten. Sein Alter wird mit 60 Jahren angegeben — woraus sich ein Geburtsjahr von ca. 1636 errechnet.
Maurer und Bierschänker
Zwölf Jahre nach Martins Tod, beim Heiratseintrag seines Sohnes Benedict, taucht Martin noch einmal in den Quellen auf — diesmal als Verstorbener, dem ein ehrenvolles Andenken gilt. Der Eintrag bezeichnet ihn als:
„murarius et Zythopolus piae memoriae huius oppidi“
Übersetzt: Maurer und Bierschänker seligen Angedenkens dieser Stadt.
Quelle: Heiratseintrag Egner Funck 1708 Beratzhausen
Maurer (murarius) war ein solides Handwerk — ein Mann, der Mauern baute, Häuser errichtete, Brücken verputzte. Bierschänker (Zythopolus, von griechisch ζύθος = Bier, πωλεῖν = verkaufen) bedeutet: Er schenkte Bier aus, betrieb also eine Art Gasthaus oder Schankwirtschaft. Zwei Standbeine — ein Handwerker, der auch wirtschaftlich dachte.
Diese Doppelqualifikation war für Zugezogene nicht ungewöhnlich. Ein Wanderhandwerker, der sich niederlassen wollte, musste mehr bieten als nur seine Fertigkeiten. Eine Schankwirtschaft schuf soziale Kontakte, band Nachbarn und Kunden, verankerte einen im Leben des Marktorts.
Die Zeit, in die er hineingeboren wurde
1636. Das Jahr, in dem Martin Egner das Licht der Welt erblickte, liegt mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Deutschland — oder was man damals so nannte — war ein verwüstetes Land. Die Oberpfalz, zu der Beratzhausen gehörte, hatte besonders gelitten: Truppendurchzüge, Plünderungen, Seuchen und Hungersnöte hatten die Bevölkerung dezimiert. Manche Landstriche hatten die Hälfte oder mehr ihrer Einwohner verloren.
Martin war zwölf Jahre alt, als der Westfälische Frieden 1648 dem Krieg ein Ende setzte. Er wuchs also in einer Zeit auf, in der ganze Landstriche neu besiedelt wurden, Handwerker gefragt waren wie selten, und Mobilität keine Ausnahme war, sondern eine Überlebensstrategie.
Aktuelle Forschungen in den Kirchenbüchern der Diözese Regensburg zeigen, dass es im 18. Jahrhundert im Bayerischen Wald — konkret im Raum Arnbruck, Landkreis Regen — eine Familie Egner gab: Ein Michael Egner, Bauer (Colonus) in einem Nachbarort, erscheint 1736 in einem Taufeintrag. Eine direkte Verbindung zu Martin Egner ist damit noch nicht belegt, aber die geografische Nähe zur Diözese Regensburg ist auffällig. [Forschung offen — vermutlich Verwandtschaft, nicht belegt]
Frau und Familie
Martin Egner heiratete eine Frau namens Elisabeth. Ihr Mädchenname ist nicht überliefert — sie taucht in den Quellen nur als Mutter und Witwe auf. Beim Heiratseintrag ihres Sohnes Benedict am 9. Januar 1708 wird sie als noch lebend erwähnt (adhuc vivens), während ihr Mann bereits als verstorben gilt. Sie hatte also ihren Mann um mindestens zwölf Jahre überlebt.
Aus der Ehe mit Elisabeth ist urkundlich ein Sohn bekannt: Benedict Egner, geboren ca. 1680. Ob es weitere Kinder gab, ist nicht belegt.
Der Sohn: Aufstieg durch Bildung
Martins Sohn Benedict Egner wählte einen für die damalige Zeit bemerkenswerten Beruf: Er wurde Chirurg (chirurgus) — ein medizinischer Praktiker, der Wunden versorgte, Aderlass durchführte und kleinere Eingriffe vornahm. Gegenüber seinem Vater, dem Handwerker und Gastwirt, war das ein deutlicher sozialer Aufstieg.
Am 9. Januar 1708 heiratete Benedict in Beratzhausen Anna Barbara Funck (geb. 1677) — Tochter einer bereits seit einer Generation in Beratzhausen ansässigen Bürgerfamilie. Die Heirat in eine etablierte Familie zeigt: Die Egners waren in Beratzhausen angekommen.
Dass Benedict später als incola (Einwohner, Zugezogener) bezeichnet wird — während sein Vater Martin als civis (Vollbürger) gestorben war — könnte darauf hindeuten, dass das Bürgerrecht nicht automatisch vererbt wurde und Benedict es neu erwerben musste.
Was bleibt
Martin Egner lebte ca. 60 Jahre, davon einen unbekannten Teil in Beratzhausen. Er begründete eine Linie, die sich über Jahrhunderte und Hunderte von Kilometern weiterbewegte — von der Oberpfalz in die Eifel, von der Eifel nach Burtscheid, von Burtscheid nach Aachen. Der gesamte Weg dieser Familie ist in Von Beratzhausen nach Aachen – Die Wanderung der Familie Egner-Egener dokumentiert.
Von Martin selbst ist wenig geblieben: ein Beerdigungseintrag von einer Zeile, ein Verweis in der Heiratsurkunde seines Sohnes. Ein Bürgerstatus, ein Handwerk, ein Schankwirtschaft, eine Frau namens Elisabeth. Und ein Sohn, der Chirurg wurde.
Das ist alles — und es ist genug, um zu wissen, dass er da war.
Gesicherte Fakten im Überblick
| Feld | Inhalt | Quelle |
|---|---|---|
| Name | Martinus Egner | Beerdigungseintrag Egner Martin 1696 Beratzhausen |
| Geburtsjahr | ca. 1636 (errechnet) | annor. 60 im Beerdigungseintrag |
| Geburtsort | Unbekannt | — |
| Sterbedatum | 15. Juni 1696 | Beerdigungseintrag Egner Martin 1696 Beratzhausen |
| Sterbeort | Beratzhausen | ebd. |
| Status | civis — Bürger | ebd. |
| Berufe | Maurer, Bierschänker | Heiratseintrag Egner Funck 1708 Beratzhausen |
| Ehefrau | Elisabeth (Mädchenname unbekannt) | ebd. |
| Sohn | Egner Benedict 1680 (ca. 1680) | ebd. |
| Sterbesakramente | empfangen | Beerdigungseintrag Egner Martin 1696 Beratzhausen |
Offene Forschungsfragen
- Geburtsort Martins — Kirchenbücher Diözese Regensburg (Arnbruck, Laaber, Kallmünz) #Genealogie #Egner
- Mädchenname der Ehefrau Elisabeth #Genealogie #Egner
- Heiratsdatum und -ort Martin × Elisabeth #Genealogie #Egner
- Weitere Kinder Martins (außer Benedict)? #Genealogie #Egner
- Verbindung zu Michael Egner (Arnbruck, 1736) klären #Genealogie #Egner
Primärquellen:
- Beerdigungseintrag Egner Martin 1696 Beratzhausen — Kirchenbuch Beratzhausen004
- Heiratseintrag Egner Funck 1708 Beratzhausen — Kirchenbuch Beratzhausen004
Status: Auf Basis aller bekannten Primärquellen dokumentiert
Erstellt: 2026-06-07 — Ernst Egener

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