Georg Peter Egener und Anna Catharina Born

Eine Familie in Mulartshütte (1774–1793)

Diese Geschichte einer Eifeler Weberfamilie stützt sich auf 18 urkundlich belegte Einträge im Kirchenbuch der Pfarrei Rott: Taufen, Ehen und Begräbnisse, die ein Leben zwischen Mulartz-Hütt und Reifferscheid bezeugen — eingebettet in ein dichtes Netz aus Nachbarschaft, Verwandtschaft und gegenseitiger Verantwortung.


Ankunft und Verwurzelung

Georg Peter Egener entstammte einer bayerischen Einwandererfamilie. Sein Vater Johann Georg Egener aus Beratzhausen in der Oberpfalz hatte als Reitersoldat im kaiserlichen Marggraff-Regiment gedient und sich nach dem Militärdienst als Landbote der Grafschaft Reifferscheid in der Eifel niedergelassen. Georg Peter selbst arbeitete als Weber und ließ sich im Kirchspiel Rott nieder — dem Gebiet um das heutige Roetgen, nahe Mulartz-Hütt.

In den Kirchenbüchern erscheint er unter zwei Namen: Der Pfarrer von Rott schrieb ihn gewohnheitsmäßig als „Jois Petri Egener“ — die mundartliche Kurzform — und ergänzte gelegentlich „Georgii“ als interlineare Korrektur über dem Text. Sein Taufname lautete vollständig: Georgius Petrus Egener.


Die Heirat mit Anna Catharina Born (1777)

Am 25. Mai 1777 heiratete Georg Peter Egener in der Pfarrei Rott die Anna Catharina Born aus Mulartz-Hütt. Der Heiratseintrag (Kirchenbuch Rott, S. 208) hält fest:

„Georgius Petrus Egener ex Reifferscheid et Anna Catharina Born ex Mulartz=Hütt“

Er kam von Reifferscheid, sie war eine Tochter des Dorfes. Anna Catharina war die Tochter von Joannes Born (Jois Born) und seiner Frau Helena Kettnus, die bereits vier Jahre zuvor, am 9. Juni 1773, verstorben war. Ihr Vater Jois Born lebte noch und sollte 1783 als stolzer Großvater den Enkel Johann Mathias als Taufpate begleiten — bevor er selbst am 12. Februar 1785 starb. Er war zwölf Jahre Witwer gewesen.

Die Trauzeugen spiegeln das soziale Umfeld beider Familien: Jacobo Born (Bruder der Braut) und Christina Born (Schwester der Braut — sie starb nur dreieinhalb Jahre später, im November 1780) auf der einen Seite, Barbara Egener (Schwester des Bräutigams) auf der anderen.

Anna Catharina brachte eine Vorgeschichte mit in die Ehe: Bereits am 1. Februar 1774 hatte sie eine uneheliche Tochter namens Maria Helena geboren — filia spuria, ohne Vaternennung, wie der Pfarrer festhielt. Ihr Bruder Jacobo Born und die Nachbarin Maria Gertrud Reckers standen als Taufpaten bereit. Maria Helena blieb im Kirchspiel Rott. Am 6. Mai 1793 — mit etwa 19 Jahren — wurde sie in Rott begraben; der Kirchenbucheintrag vermerkt, dass sie die Sterbesakramente empfangen hatte.


Kinder und Verluste

Georg Peter und Anna Catharina hatten sieben urkundlich belegte eheliche Kinder, geboren zwischen 1777 und 1792. Die Kirchenbücher von Rott zeigen eine Familie, die von der hohen Kindersterblichkeit der Zeit nicht verschont blieb:

Kind Taufe Tod / Begräbnis Belege
Maria Gertrud 09.11.1777 — KB Rott E.610— ∞ Voos Aegidius, Burtscheid 1804
Joes Jacobus 21.02.1779 begraben 20.09.1779 KB Rott E.635 / E.456 — ~7 Monate alt
Anna Elisabeth 10.12.1780 begraben 29.09.1792 KB Rott E.665 / E.489 — ~11 Jahre alt
Johann Mathias 17.01.1783 11.05.1832 KB Rott E.689 — Musikant, Burtscheid
Jacob 18.03.1785 — KB Rott E.718 — Seitenlinie
Anna Catharina 01.12.1788 — KB Rott E.771
Magdalena 29.03.1792 — KB Rott E.808 — ∞ Grosjean Servatius, Burtscheid 1811

Das Netz der Patenschaften

Die Patenschaft — susceptores oder patrini in den lateinischen Einträgen — war weit mehr als ein religiöses Ritual: Sie begründete soziale Verpflichtungen und knüpfte belastbare Bande zwischen Familien. Die Egener-Familie pflegte dieses Netz aktiv in beide Richtungen.

Georg Peter Egener als Taufpate

1778 — Familie Niderau/Rombach:
Am 29. Mai 1778 stand Georg Peter als Taufpate für Joannes Wilhelmus Niderau, Sohn des Antonius Niderau und der Johanna Gertrud Rombach (KB Rott E.620). Diese Verbindung blieb über Jahre lebendig: Barbara Egener — Georg Peters Schwester — war 1786 Taufpatin für die Niderau-Tochter Anna Maria Barbara. Und 1792 schloss sich der Kreis: Johanna Gertrud Rombach selbst stand als Taufpatin der kleinen Magdalena Egener bereit.

1784/1785 — Familie Stollenwerck:
Als Taufpate bei Joannes Petrus Stollenwerck (Susceptoribus Georgio Petro Egener et Mariâ agnete Krott, KB Rott E.701) berührte Georg Peter zugleich die väterliche Familiengeschichte: Seine Stiefmutter Agnes Stollenwerck war eine Tochter des Joannes Henricus Stollenwerck. Die Taufpatin Maria Agnes Krott entstammte einer Familie, die später zweimal bei seinen eigenen Kindern als Taufpaten erscheint.

Barbara Egener als Taufpatin

Georg Peters Schwester Barbara Egener (ca. 1754–1805) war im Kirchspiel Rott eine viel gefragte Taufpatin — vier belegte Patenschaften in sieben Jahren:

Jahr Täufling Eltern Mitpate KB Rott
1779 Joes Jacobus Egener Georg Peter × Anna Cath. Born Joannes Born (Großvater) E.635
1785 Jacob Egener Georg Peter × Anna Cath. Born Jacobus von der Hart E.718
1785 Petrus Wilhelmus Ruland Bartholomaeus Ruland × Anna Maria Hermans Wilhelmus Scholl E.736
1786 Anna Maria Barbara Niderau Antonius Niderau × Johanna Gertrud Rombach Johannes Petrus Schroeder E.763

Die Familie Born als Taufpaten

Auch die großväterliche Seite engagierte sich:

  • Joannes Born (Großvater): Taufpate bei Joes Jacobus Egener (1779, E.635) und bei Johann Mathias Egener (1783, E.689) — zweimal begleitete er seinen Enkel in die Taufgemeinschaft.
  • Jacobo Born (Onkel): Taufpate bei der unehelichen Maria Helena (1774, E.550).

Das Beziehungsnetz im Überblick

Familie Verbindung Belegt durch
Born Schwiegereltern; Großvater als Taufpate (1779, 1783) KB Rott E.550, E.635, E.689
Niderau / Rombach Gegenseitige Patenschaften über 14 Jahre (1778–1792) KB Rott E.620, E.763, E.808
Krott Taufpaten bei Anna Catharina (1788) und Magdalena (1792) KB Rott E.771, E.808
Stollenwerck Patenschaft 1784/85; Stiefmutter Agnes Stollenwerck KB Rott E.701
Speicher Taufpatin bei Johann Mathias (1783) und Anna Catharina (1788) — ex Hütt KB Rott E.689, E.771
Ruland / von der Hart / Scholl Mitpaten mit Barbara Egener KB Rott E.718, E.736
Reckers Taufpatin bei Maria Helena Born (1774) KB Rott E.550

Das Ende der Rott-Zeit

Nach 1792 verliert sich die Spur der Familie in den Kirchenbüchern von Rott. Die Kinder folgten der industriellen Verdichtung um Aachen: Johann Mathias heiratete am 30. Dezember 1807 in Burtscheid, seine Schwester Magdalena 1811 ebenda. Georg Peter selbst tritt noch einmal urkundlich in Erscheinung: Am 14. September 1798 ist ein „Peter Eigener“ Zeuge bei einer Geburtsanzeige in Burtscheid — schreibensunkundig, wie der Eintrag vermerkt. Er starb am 17. Dezember 1807 in Aachen.

Die Familie Egener hatte das Kirchspiel Rott verlassen. Was bleibt, sind 18 Einträge im Kirchenbuch — Taufen, Ehen, Begräbnisse — die ein Leben zwischen Mulartz-Hütt und Reifferscheid bezeugen, eingebettet in ein Netz aus Nachbarschaft, Verwandtschaft und gegenseitiger Verantwortung.


Quellen

  • Kirchenbuch Rott (Pfarrei Rott, St. Antonius), Einträge E.396–E.808
  • Kirchenbuch Burtscheid St. Michael, KB 068_3

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