Johann Georg Egner (1720–1790)

Der Stammvater, der aus Bayern in die Eifel zog


Wer nach dem Ursprung unserer Familie sucht, landet irgendwann in einem kleinen Ort in der Oberpfalz: Beratzhausen, heute eine beschauliche Marktgemeinde im Landkreis Regensburg, im 18. Jahrhundert ein Dorf im Herzen Bayerns. Dort, am 5. Mai 1720, wurde Johann Georg Egner getauft — der Mann, dem alle Egeners im Aachener Raum ihre Existenz verdanken.

Er war Soldat, Verwaltungsbeamter, zweimal Ehemann und Vater. Und er legte einen Weg von rund 400 Kilometern zurück, der seine Nachkommen bis heute prägt.


Im Kirchenbuch von Beratzhausen

Der früheste Beleg für unseren Stammvater ist ein Taufeintrag im Kirchenbuch von Beratzhausen, eingetragen unter dem 5. Mai 1720. Der Eintrag nennt den Vater Benedictus Egner und die Mutter Anna Barbara — das ist Anna Barbara Funck, geboren 1677. Als Taufpaten stehen im Register: Georg Schmidt, Bauer von Flingsberg.

Der Familienname lautet hier noch Egner — ohne das „e“ in der Mitte, das die Familie später in der Eifel annehmen wird. Eine kleine Verschiebung in der Schreibweise, die die Migration ins Rheinland markiert.


Taufeintrag Johann Georg Egner, Kirchenbuch Beratzhausen, 5. Mai 1720. Gut erkennbar: Vater Benedictus Egner, Mutter Anna Barbara, Taufpate Georg Schmidt. Am rechten Rand die spätere Marginalie von 1755: Eintritt in das kaiserliche Marggraff-Regiment.


Reiter im Kaiserlichen Heer

Im Taufeintrag findet sich am Rand eine handschriftliche Nachträglichkeit, die uns einen wichtigen Hinweis gibt: Im Jahr 1755 ist ein Vermerk eingetragen, der Johann Georg mit dem Kaiserlichen Marggraff-Regiment in Verbindung bringt.

Das bestätigt eine Urkunde aus demselben Jahr: Am 17. Juli 1755 ließ sich der damals 35-jährige Johann Georg einen Taufschein ausstellen — ausgestellt von Pfarrer Ignatius Graff. Ein solcher Auszug war damals Pflicht beim Eintritt in den Militärdienst oder bei einer Heirat. Johann Georg war zu dieser Zeit Reiter im kaiserlichen Regiment.

Es war die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), der große Teile Europas in Mitleidenschaft zog. Ob Johann Georg an Feldzügen teilnahm, ist nicht belegt — wohl aber, dass er durch seinen Militärdienst weit über Bayern hinaus kam. Und es sind wahrscheinlich eben diese Militärverbindungen, die ihn schließlich in die Grafschaft Reifferscheid an der Grenze zwischen Eifel und Ardennen führten.


Die Reise in die Eifel

Irgendwann vor 1759 — wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1750er Jahre — legte Johann Georg die etwa 400 Kilometer von der Oberpfalz in die Eifel zurück. Zu Fuß, zu Pferd, auf schlecht ausgebauten Wegen: eine Reise, die Wochen dauerte und alles bedeutete.

Er ließ seine Heimat, seine Familie und die bayerischen Verhältnisse hinter sich. Und er wählte als neuen Wohnort Reifferscheid — heute Hellenthal-Reifferscheid in der Eifel —, damals Sitz der gleichnamigen Grafschaft, einem kleinen, aber selbstbewussten Territorium am Rande des Heiligen Römischen Reiches.

Warum gerade Reifferscheid? Möglicherweise hatte er dort durch das Militär Kontakte geknüpft. Möglicherweise folgte er einem anderen Soldaten oder einem Arbeitgeber. Die Quellen schweigen. Was wir wissen: Er kam, blieb — und baute sich ein neues Leben auf.


Familie in Reifferscheid: Zwei Ehen, vier Kinder

In Reifferscheid heiratete Johann Georg um 1745 zum ersten Mal. Seine Frau hieß Maria Elisabethae Balter, geboren 1724. Zusammen bekamen sie mehrere Kinder, von denen vier namentlich bekannt sind:

  • Georg Peter (geb. ca. 1745) — unser direkter Vorfahre, der die Linie fortführte
  • Barbara (geb. ca. 1754) — starb 1805 in Burtscheid
  • Catharina Gertrud (geb. 23. Februar 1759) — starb noch als Kind, 1763
  • Anna Sibilla Catharina (geb. 10. Juli 1761 — gest. 1. April 1762) — nur neun Monate alt

Vor dem 26. Juli 1763 starb Maria Elisabethae. Johann Georg war jetzt Witwer mit einem kleinen Sohn.

Am 26. Juli 1763 — heiratete er erneut: Agnes Stollenwerck, Tochter des Joannes Henricus Stollenwerck. Aus dieser zweiten Ehe sind uns keine Nachkommen bekannt.

Ob die Maria Elisabeth Balter die Mutter von Georg Peter ist, ist nicht nachgewiesen. Sicher ist, dass im Heiratseintrag in Rott von 1777 steht Georgius Petrus Egener ex Reifferscheid. Er ist der Sohn von Johann Georg


Landbote der Grafschaft Reifferscheid

Mit dem Militärdienst allein konnte man keine Familie ernähren. Johann Georg fand seinen Platz in der gräflichen Verwaltung: Als Landbote der Grafschaft Reifferscheid war er von 1766 bis mindestens 1778 tätig — ein Amt, das wir durch Akten im Landesarchiv NRW (Abteilung Rheinland) belegen können.

Was tat ein Landbote? Er war das verlängerte Recht der Grafschaft: Er stellte Gerichtsbefehle zu, trieb Steuern und Abgaben ein und vollstreckte Gerichtsbeschlüsse. Ein Amt mit Respekt — aber auch mit Konflikten. Die Archivakten zeigen beide Seiten:

Jahr Vorgang
1766 Vollstreckt Cronenburger Waldstrafe gegen Joannes Henrichs; dessen Gegenbeschwerde gegen den Landboten wird als „auf Lügen und Unwahrheit gegründet“ verworfen
1774 Bedrohung durch Johann Salentin aus Hellenthal
1776 Klage wegen fehlerhafter Zustellung eines Gerichtsbefehls
1777–78 Zahlungsstreitigkeit als Privatperson

Archiv-Signaturen: AA 0614 / Reifferscheid, Nr. 1070, 525, 385 — AA 0042 / Jülich, Gerichte Nr. XI 543

Das sind keine Skandale — das ist das normale Leben eines Verwaltungsbeamten im 18. Jahrhundert. Wer Gerichtsbefehle zustellt, macht sich nicht immer Freunde. Und wie der Fall von 1766 zeigt, hielten Beschwerden gegen ihn nicht immer einer genauen Prüfung stand.

Diese Akten sind Gold wert: Sie belegen nicht nur seinen Beruf, sondern auch, dass er mindestens zwölf Jahre lang in der Grafschaft Reifferscheid fest verwurzelt war. Ausführliche Beiträge zu den einzelnen Akten (1070, 525, 385) mit vollständiger Transkription finden sich in eigenen Artikeln auf diesem Blog.


Das letzte Kapitel: Mulartz Hütte, Rott

Johann Georg Egner starb am 15. Juli 1790 in Mulartz Hütte, einem Weiler der Pfarrei Rott (heute Roetgen, bei Aachen). Er war 70 Jahre alt.

Zwei Tage später wurde er in Rott, St. Antonius begraben. Der Sterbeeintrag im Kirchenbuch — in elegantem Kirchenlatein — hält fest:

„Anno 1790 … Sepultus est Joannes Georgius Egner, oriundus ex Berathshausen, Sacramentis munitus.“

„… er wurde begraben, ein Bürger aus Beratzhausen, versehen mit den Sterbesakramenten.“


Begräbniseintrag Johann Georg Egner, Kirchenbuch Rott St. Antonius, KB 341_4, S. 10, 15./17. Juli 1790. Der Eintrag nennt ihn ausdrücklich „oriundus ex Berathshausen“ — ein Bürger von Beratzhausen — und belegt so ein letztes Mal seine bayerische Herkunft.

Siebzig Jahre nach seiner Taufe in Beratzhausen, 400 Kilometer von seiner Heimat entfernt, schließt sich der Kreis.


Warum Johann Georg für uns so bedeutend ist

Johann Georg Egner ist nicht irgendein Vorfahre. Er ist der Stammvater — die Person, durch die alle Egeners im Aachener Raum miteinander verbunden sind. Ohne seine Reise von Bayern in die Eifel in den 1750er Jahren gäbe es unsere Familie in dieser Region nicht.

Von ihm führt eine direkte Linie über sieben Generationen bis heute:

Johann Georg Egner (1720, Beratzhausen)
  └─ Georg Peter Egener (ca. 1745, Eifel)
     └─ Johann Mathias Egener (1783, Roetgen)
        └─ Johann Georg Egener (1814, Burtscheid)
           └─ Josef Egener (1848, Burtscheid)
              └─ Peter Egener (1875, Aachen-Burtscheid)
                 └─ Leonhard Egener (1902) → Rudolf (1932) → Ernst (1953)

Er hat Bayern verlassen, hat als Soldat gedient, hat geheiratet, begraben und sich durch Archivakten hindurchgekämpft. Er hat unseren Nachnamen in die Eifel gebracht — und mit ihm die Geschichte, die wir heute erforschen.


Quellen

  • Kirchenbuch Beratzhausen 004, Taufeintrag 5. Mai 1720 — Matricula Online
  • Kirchenbuch Rott St. Antonius, KB 341_4, S. 10, Begräbniseintrag 15./17. Juli 1790 — Matricula Online
  • Taufschein Lupburg, 17. Juli 1755 — Pfarrer Ignatius Graff (belegt Eintritt Marggraff-Regiment)
  • Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland: AA 0614 Reifferscheid Nr. 1070, 525, 385 — AA 0042 Jülich Nr. XI 543
  • Reproduktionsaufträge beim Landesarchiv NRW bestellt

Die Archivdokumente aus Reifferscheid werden nach Erhalt der Reproduktionen in einem Folgebeitrag vorgestellt.


Ernst Egener, Juni 2026
familieegener.de — Familiengeschichte der Egeners aus dem Aachener Raum



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