Johann Brosius (1906–1930)
Bergmann auf der Grube Anna II — ein Leben, das viel zu früh endete
Kerndaten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Name | Johann Brosius |
| Beruf | Bergmann |
| Geburtsjahr | 17. März 1906 |
| Geburtsort | Schaufenberg |
| Wohnort | Kellersberg, Bahnstraße 13 |
| Ehefrau | Rosa Brosius geb. Winter |
| Todesdatum | 21. Oktober 1930 |
| Todeszeit | ca. 7:30 Uhr morgens |
| Todesort | Grube Anna II, Alsdorf |
| Todesart | Tödlich verunglückt (Grubenunglück) |
| Sterbeurkunde | Standesamt Alsdorf, Nr. 97, 23. Oktober 1930 |
| Archivquelle | Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, PA_3103/~005/00547 |
Herkunft und Familie
Johann Brosius wurde am 17. März 1906 in Schaufenberg geboren, einem Ort, der, eigentlich ein Bauerndorf, wie die gesamte Region um Alsdorf tief vom Steinkohlenbergbau geprägt war. Er wuchs auf in einer Zeit, in der die Grube Anna des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV) das wirtschaftliche und soziale Leben der Gegend bestimmte. Als junger Mann ergriff er den Beruf des Bergmanns — wie so viele seiner Generation in dieser vom Bergbau dominierten Region keine freie Wahl, sondern eine fast zwangsläufige Lebensrealität.
Johann Brosius heiratete Rosa Winter, die nach der Heirat den Namen Rosa Brosius geborene Winter trug. Das junge Paar wohnte in Kellersberg, Bahnstraße 13, einem der Ortsteile von Alsdorf, der eng mit der Geschichte der Grube Anna verbunden war.
Das Grubenunglück vom 21. Oktober 1930
Am 21. Oktober 1930 um 7:29 Uhr ereignete sich im Bergwerk Anna II in Alsdorf eine der schwersten Katastrophen der deutschen Bergbaugeschichte. Eine gewaltige Schlagwetterexplosion erschütterte den Eduardschacht auf der Schachtanlage Anna II. Von den 650 untertage beschäftigten Bergleuten wurden 246 getötet, dazu 25 Bergleute übertage. Weitere 304 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.
Die Wirkung der Detonation war verheerend: Das rund 36 Meter hohe Fördergerüst wurde aus den Betonfundamenten gerissen, stürzte um und zerschlug das Kauengebäude sowie die Verwaltungsgebäude. In der umliegenden Bergarbeitersiedlung zerbarsten Fensterscheiben und wurden Türen eingedrückt. Die Detonation war weithin wahrnehmbar, und eine meterhohe Feuersäule schoss aus dem Eduardschacht.
Viele Bergleute hatten die eigentliche Explosion zunächst überlebt, fielen dann aber den sich entwickelnden tödlichen Rauch- und Gasschwaden zum Opfer. Einigen gelang die Rettung über andere Schächte — Anna I, Anna III — und sogar über eine Verbindung zur Grube Adolf in Merkstein. Die genaue Ursache des Unglücks konnte nie abschließend geklärt werden; vermutlich war eine Schlagwetter- mit anschließender Kohlenstaubexplosion der Auslöser.
Johann Brosius gehörte zu denjenigen, die keinen Ausweg mehr fanden. Er starb am 21. Oktober 1930 um halb acht Uhr morgens im Betriebe der Grube Anna II — tödlich verunglückt. Er war 24 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde und ein bemerkenswerter Irrtum

Die bürokratische Aufarbeitung des Massenunglücks stand vor enormen Herausforderungen. Die toten Bergleute hinterließen 146 Witwen, 9 Vollwaisen und 203 Halbwaisen. Angesichts der schieren Zahl der Toten und der chaotischen Zustände unmittelbar nach der Katastrophe unterlief der Polizeiverwaltung Alsdorf ein schwerwiegender Fehler: Sie meldete dem Standesamt zunächst den Tod von Johann Brosius unter der falschen Urkundennummer — tatsächlich handelte es sich bei dem dort eingetragenen Todesfall um den 17-jährigen Bergmannslehrling Franz Schönenberg aus Schaufenberg, Zollamtsstraße 47b, der beim selben Unglück ums Leben gekommen war.
Dieser Irrtum wurde durch einen offiziellen Randvermerk des Standesbeamten Helpenstein förmlich korrigiert und für die Nachwelt dokumentiert — mit genauer Zählung der gestrichenen Druckworte, wie es das deutsche Personenstandswesen vorschrieb. Die korrekte Sterbeurkunde für Johann Brosius trägt nicht die Nummer 79, sondern die Nummer 97, ausgestellt am 23. Oktober 1930 beim Standesamt Alsdorf. Beide Urkunden sind heute im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, überliefert.
Trauer einer ganzen Region
Das Unglück löste nicht nur in Deutschland, sondern auch international eine große Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität aus. Vier Tage nach der Katastrophe, am 25. Oktober 1930, wurden nach einer Trauerfeier ohnegleichen die Opfer beigesetzt. Allein 144 Opfer stammten aus dem damals noch kleineren Alsdorf selbst; sie wurden gemeinsam auf dem eigens dafür neu angelegten Nordfriedhof beigesetzt. Weitere Tote — darunter Bergleute aus Schaufenberg und Kellersberg, dem Heimatort von Johann Brosius — fanden ihre letzte Ruhestätte auf den Ortsfriedhöfen ihrer Heimatgemeinden. Etwa 150.000 Menschen kamen zu den Trauerfeierlichkeiten nach Alsdorf.
Am 11. Dezember 1930 veröffentlichte der Vorstand des Eschweiler Bergwerks-Vereins einen Nachruf:
„Wir betrauern den Tod von 271 Beamten und Belegschaftsmitgliedern, welche der Katastrophe auf unserer Grube Anna II in Alsdorf am 21. Oktober ds. Js. zum Opfer fielen.“
Johann Brosius, mein Opa, war einer von ihnen.
Quellen
- Sterbeurkunde Johann Brosius, Standesamt Alsdorf, Nr. 97, 23. Oktober 1930. Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, PA_3103/~005/00547/R_PA_3103_00547_0103.
- Sterbeurkunde Nr. 79 (mit Randvermerk), Standesamt Alsdorf, 22. Oktober 1930. Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, PA_3103/~005/00547/R_PA_3103_00547_0085.
- Friedrich Ebbert: Was geschah am 21. Oktober 1930. In: Heimatblätter des Kreises Aachen – Das Alsdorfer Grubenunglück. Aachen 2005.
- Bergbaumuseum Grube Anna II: Das Grubenunglück von 1930 auf Grube Anna. www.bergbaumuseum-grube-anna2.de.
- Wikipedia: Grube Anna. de.wikipedia.org.
- StädteRegion Aachen: 21. Oktober 1930 – Grubenkatastrophe in Alsdorf. www.staedteregion-aachen.de.


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