Familienforschung Winter · Juli 2025
Manchmal beginnt ein Forschungstag mit einer schlichten Frage und endet mit einer ganzen Reihe neuer Namen. So geschehen im Juli 2025, als ich endlich die Heiratsurkunde meiner Ur-Ur-Großeltern in Händen hielt — zwei vergilbte Seiten in Kurrentschrift, ausgestellt am 22. März 1881 im pfälzischen Dorf Lambsborn.
Der lange Weg zur Urkunde
Den Anfang machte das Standesamt St. Ingbert: Dort erfuhr ich, dass die Heirat meines Ur-Ur-Großvaters Friedrich Winter im Jahr 1881 nicht in Bexbach, sondern in Lambsborn beurkundet worden war — unter der Nummer 6/1881. Lambsborn, ein kleines Dorf im heutigen Landkreis Kaiserslautern, gehört zur Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau. Meine erste Anfrage landete irrtümlich bei der falschen Behörde, die mich freundlich weiterwies. Beim zweiten Versuch kam der Scan per E-Mail — und damit begannen die Überraschungen.

Was die Urkunde verrät
Der Standesbeamte — selbst ein Trautmann, was in diesem Dorf offenbar kein Zufall war — beurkundete die Eheschließung zweier Menschen, die beide bereits schwere Verluste erlitten hatten: Der Vater des Bräutigams und beide Elternteile der Braut waren zum Zeitpunkt der Hochzeit bereits verstorben — einzig die Mutter des Bräutigams, Salomea geborene Ecker, lebte noch als Witwe in Mittelbexbach.
Der Bräutigam: Friedrich Winter, geboren am 26. April 1853 in Oberbexbach, Bergmann, wohnhaft in Mittelbexbach, katholisch. Er konnte sich nicht durch Dokumente ausweisen und wurde stattdessen durch einen Zeugen identifiziert — den Hüttenarbeiter Peter Seib aus Lambsborn, der ihn persönlich kannte.
Die Braut: Katharina Trautmann, geboren am 17. Juli 1856 in Lambsborn, gewerblos, protestantisch. Eine konfessionsverschiedene Ehe also — im ländlichen Bayern des 19. Jahrhunderts durchaus bemerkenswert. Ihr Bruder Michael Trautmann trat als Zeuge auf und unterschrieb mit einem charakteristischen Zusatz: Trautmann 5 — denn die Nummerierung, die seinen Vater als „Jakob Trautmann den Fünften“ von mindestens vier anderen Jakob Trautmanns im Dorf unterschied, war so selbstverständlich, dass Michael sie in seine eigene Unterschrift übernahm.
Aus dem Urkundentext steht zu lesen:
„Sohn des dortselbst verstorbenen Wagners Heinrich Winter und von dessen hinterbliebener Witwe Salomea geborene Ecker, wohnhaft zu Mittelbexbach“
„Tochter des verstorbenen Ackerers Jakob Trautmann des Fünften und der verstorbenen Charlotta geborene Neumann, wohnhaft zu Lambsborn und dort verstorben“
Sechs neue Vorfahren
Mit dieser einen Urkunde konnte ich meine Ahnentafel um eine ganze Generation erweitern:
| Person | Beruf · Konfession · Ort |
|---|---|
| Friedrich Winter (*1853) | Bergmann · katholisch · Oberbexbach |
| Katharina Trautmann (*1856) | protestantisch · Lambsborn |
| Heinrich Winter | Wagner · katholisch · Mittelbexbach, †vor 1881 |
| Salomea geb. Ecker | Hebamme · katholisch · Mittelbexbach, lebt 1881 |
| Jakob Trautmann V. | Ackerer · protestantisch · Lambsborn, †vor 1881 |
| Charlotta geb. Neumann | protestantisch · Lambsborn, †vor 1881 |
Ein Sohn, der Geschichte schreiben wird
Acht Monate nach dieser Hochzeit, am 25. November 1881, wurde in Mittelbexbach ihr Sohn Friedrich Winter geboren — mein Urgroßvater, der später als Soldat des Königlich Bayerischen 2. Pionier-Bataillons in Speyer dienen und im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten würde. Von Lambsborn bis zu den Schlachtfeldern Frankreichs und Serbiens — der Weg beginnt mit dieser schlichten Urkunde aus dem Jahr 1881.
Was als Nächstes zu tun bleibt
Die Urkunde beantwortet Fragen — und stellt neue. Wo wurde Heinrich Winter, Wagnermeister in Mittelbexbach, geboren und getauft? Im katholischen Pfarrarchiv Bexbach oder im Bistumsarchiv Trier könnten Taufregister aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Auskunft geben. Und die Familie Trautmann aus Lambsborn? Deren Wurzeln liegen in den evangelischen Kirchenbüchern der Pfalz — digitalisiert und einsehbar über Matricula und Archion.
Die Spurensuche geht weiter.


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