Johann Gregor Egener, der Großvater meines Urgroßvaters
Die Berichtigung eines amtlichen Fehlers (1868)
Im September 1868 mussten sich die Egener-Corbans mit einem bürokratischen Problem auseinandersetzen, das die Identität der Familie betraf. Ein bedeutendes Dokument aus unserer Familiengeschichte gibt Einblick in diesen Vorfall: Ein Urteil des Königlichen Landgerichts zu Aachen vom 14. September 1868.
Der Fehler
Als Heinrich Egener am 30. Mai 1854 in Burtscheid geboren wurde, passierte bei der Registrierung ein folgenschwerer Fehler. Statt seine Mutter korrekt als „Magdalena Corban“ einzutragen, verzeichnete der Standesbeamte sie fälschlicherweise als „Helena Thimmes“. Dieser Irrtum hätte für Heinrich später zu rechtlichen Problemen führen können – etwa bei Erbschaftsfragen, Besitzansprüchen oder anderen amtlichen Angelegenheiten.
Die Betroffenen
– Johann Gregor Egener: Unser Vorfahre, von Beruf Tuchscherer (ein spezialisierter Textilhandwerker, der Tuche glättete und schor)
– Magdalena Corban: Seine Ehefrau, deren Identität in der Geburtsurkunde falsch eingetragen wurde
– Heinrich Egener: Ihr gemeinsamer Sohn, geboren am 30. Mai 1854
Interessanterweise enthält das Dokument weitere wertvolle Informationen über die Familie:
– Johann Egener und Magdalena heirateten am 7. Juli 1838
– Magdalena selbst wurde am 19. April 1815 als uneheliche Tochter von Johann Corban und Maria Anna Phimus geboren
– Sie wurde durch die nachfolgende Heirat ihrer Eltern am 8. Juni 1816 legitimiert
Die Korrektur
Die Familie musste ein förmliches Gerichtsverfahren anstrengen, um den Fehler zu korrigieren. Da sie offenbar nicht wohlhabend war, wurde ihnen das „Armenrecht“ gewährt – sie konnten also kostenlos einen Rechtsbeistand (Justizrat Koenen) in Anspruch nehmen.
Das Gericht stellte fest, dass bei der Eintragung vermutlich der Familienname der Großmutter mütterlicherseits (Phimus/Thimmes) versehentlich verwendet wurde, statt des richtigen Namens der Mutter. Nach Prüfung der vorgelegten Dokumente ordnete das Landgericht die Korrektur der Geburtsurkunde an.
Was uns dieses Dokument lehrt
Dieses Gerichtsurteil zeigt uns nicht nur die Namen unserer Vorfahren, sondern gibt auch Einblicke in ihr Leben:
1. Die Familie war vermutlich nicht wohlhabend (Armenrecht)
2. Sie waren aber gebildet genug, um einen bürokratischen Fehler zu erkennen und den Rechtsweg zu beschreiten
3. Trotz der unehelichen Geburt von Magdalena wurde Wert auf die korrekte amtliche Dokumentation gelegt
4. Das Berufsfeld unserer Vorfahren (Tuchscherer) weist auf eine Verbindung zur Textilindustrie hin, die im Aachener Raum bedeutend war
Der Fehler, der 1854 gemacht wurde, zeigt auch, wie wichtig die genaue Überprüfung von Dokumenten in der Familienforschung ist. Namen wurden oft unterschiedlich geschrieben oder verwechselt, was die Nachverfolgung von Familienlinien erschweren kann.
Diese kleine Episode aus dem Leben unserer Vorfahren lässt uns erahnen, welche Bedeutung die korrekte Identität und amtliche Dokumentation für sie hatte – selbst wenn es dafür eines königlichen Gerichtsurteils bedurfte.
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