Die Anfänge der Familie Egner (später Egener) in Beratzhausen

Früheste Erwähnung Martin Egner

Die bisher früheste bekannte Erwähnung eines Vorfahren der Linie Egner (später Egener) stammt aus dem oberpfälzischen Markt Beratzhausen. Dort wird Martin Egner als Maurer und Bierbrauer genannt. Sein Name erscheint im Heiratseintrag seines Sohnes Benedict, in dem er als „ehrbarer Mann seligen Andenkens“ bezeichnet wird – ein Ausdruck, der darauf hinweist, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.

Eintragungen im Sterbebuch belegen, dass Martinus Egner am 15. Juni 1696 im Alter von 60 Jahren verstarb. Daraus ergibt sich ein ungefähres Geburtsjahr von 1636.

Zeitgeschichtlicher Kontext: Martin Egner wurde mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) geboren, einer Zeit schwerer Verwüstungen, Hungersnöte und Epidemien. Die Oberpfalz war stark betroffen. Es ist möglich, dass seine Eltern oder er selbst Flucht, Not oder Plünderungen erlebt haben. Nach dem Krieg begann der mühsame Wiederaufbau, bei dem Handwerker wie Maurer besonders gebraucht wurden.

Seine Ehefrau Elisabeth wird als noch lebende Witwe im Heiratseintrag ihres Sohnes erwähnt. Sie stirbt am 7. November 1713 im Alter von 74 Jahren, was auf ein Geburtsjahr um 1639 hinweist.

Zeitumstände: Elisabeth lebte in der Zeit des sogenannten „kleinen Klimawandels“, mit häufigen Missernten, langen Wintern und wirtschaftlicher Unsicherheit. Auch Seuchen wie die Pest traten weiterhin lokal auf.

Benedict Egner – Chirurg und Bürger von Beratzhausen

Der Sohn des Martin Egner, Benedict Egner, wird als „ehrbarer Benedict Egner, Chirurg von Beruf“ genannt. Er verlobt sich am 15. Dezember 1707 mit Anna Barbara Funck, der Tochter des Schneiders und Bürgers Johann Funck und dessen Ehefrau Anna. Die Eheschließung findet am 9. Januar 1708 statt.

Hintergrund: In dieser Zeit erlebte das medizinische Handwerk Fortschritte, doch der Beruf des Chirurgen war noch nicht dem Arzt gleichgestellt. Chirurgen arbeiteten oft auch als Wundärzte, Barbier oder Knochenrichter. Dass Benedict diesen Beruf ausübte, deutet auf eine gewisse Bildung und gesellschaftliche Stellung hin.

Heirat Benedikt Egner

Transkription: 

Beratzhausen

[am Rande] am 9. desselben [sc. Monats Januar 1708]

Aufgrund am 15. Dezember 1707 stattgehabter Verlobung feierte Hochzeit der ehrbare Benedikt Egner, Chirurg von Beruf, legitimer Sohn des ehrbaren Mannes Martin Egner seligen Andenkens, Maurers und Bierbrauers hiesigen Orts, und der Elisabeth, dessen noch lebender Ehegattin, mit Anna Barbara Funck(in), legitimer Tochter des des ehrbaren Mannes, Bürgers und Schneiders Johann Funck und dessen Ehegattin Anna; als Zeugen traten auf Herr Ulrich Bidner, Ratsbürger und Bäcker, und der Schulmeister Herr Johann Ernst, beide allhier im Ort.

Joannes Georg Egner – Soldat und Neubeginn in der Eifel

Aus dieser Ehe stammt Joannes Georg Egner, der am 5. Mai 1720 in Beratzhausen getauft wird. Ein Vermerk im Taufregister vom 17. Juli 1755 gibt Auskunft über seine spätere Tätigkeit: Pfarrer Ignatius Graff stellt ihm an diesem Tag einen Taufschein für Lupburg aus, da Joannes Georg zu diesem Zeitpunkt Soldat im kaiserlichen Markgrafen-Kavallerieregiment ist.

Zeitgeschichtlicher Kontext: Um 1755 stand das Reich kurz vor dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763). Viele Männer wurden zum Militärdienst eingezogen oder verdingt. Als Reiter in einem Kavallerieregiment war Joannes Georg Teil eines stehenden Heeres, das sowohl zur Verteidigung als auch in Kriegszügen eingesetzt wurde.

Später verlässt er die Oberpfalz und lässt sich in Reifferscheid in der Eifel nieder. Ab diesem Zeitpunkt wird der Familienname in den Quellen als Egener geschrieben. Dort heiratet er Maria Elisabeth Balter, mit der er mindestens drei Kinder hat:

Georg Peter Egener (Geburtsdatum unbekannt)

Catharina Gertrudis (1759–1763)

Anna Sybilla Catharina (1761–1762)

Beide Töchter sterben bereits im Kleinkindalter. Maria Elisabeth könnte bei der Geburt der zweiten Tochter verstorben sein – das ist jedoch nicht sicher belegt. Fest steht: Joannes Georg Egener heiratet am 2. Juli 1763 ein zweites Mal, und zwar die Witwe Agnes Stollenwerck.

Lebensumstände: Die Eifel war im 18. Jahrhundert arm und ländlich geprägt. Die Bevölkerungsdichte war gering, und Krankheiten sowie hohe Kindersterblichkeit waren verbreitet. Die Wiederverheiratung kurz nach dem Tod der ersten Frau war nicht unüblich, um Haushalt und Kinder abzusichern.

Georg Peter Egener – Neubeginn in der Eifel und Weg nach Aachen

Georg Peter Egener, vermutlich um 1750 geboren, ist der erste Vertreter der Familie, der dauerhaft in der Eifel nachgewiesen ist. Er heiratet am 25. Mai 1777 in der katholischen Kirche Anna Catharina Born. Die Familie lebte im Grenzraum von Rott, Hellenthal und Mulartshütte – abgelegene Orte, zwischen denen oft gependelt wurde. Kirchenbucheinträge weisen auf Taufen in Rott und Hellenthal hin; vermutlich wohnten sie in der Nähe, möglicherweise in Mulartshütte.

Zeitgeschichtlicher Kontext: In dieser Zeit regierte Friedrich der Große (†1786) in Preußen, das Rheinland aber gehörte noch zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Region war katholisch geprägt und stark von der Land- wirtschaft, dem Handwerk und kleinräumigen Herrschaftsstrukturen bestimmt.

Zwischen 1777 und 1792 brachte das Paar mindestens neun Kinder zur Welt:

Margaretha Gertrud (geb. 1777)

Joannes Jacobus (geb. 1779)

Anna Elisabeth (geb. 1780)

Johann Mathias (geb. 17. Januar 1783 in Rott)

Jacobus (geb. 1785)

Anna Barbara (geb. 1786)

Anna Catharina (geb. 1788)

Gertrud (geb. 1791)

Magdalena (geb. 1792)

Die genauen Wohnorte wechselten vermutlich, der Kirchgang aber blieb in den genannten Pfarreien. Die Familie gehörte dem ländlichen Handwerkerstand an – Georg Peter wird als Schneider bezeichnet.

Regionale Lage: Die Orte lagen am Rande der Eifel, nah bei der damaligen Reichs- stadt Aachen. Die Bevölkerung lebte einfach, meist in kleinen Häusern mit Stall und Garten, die Selbstversorgung war notwendig.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts veränderte sich die politische Lage drastisch: Die Französische Revolution hatte 1789 begonnen, und ab 1794 wurden die links- rheinischen Gebiete – darunter auch die Eifel – von französischen Truppen besetzt.

Übersiedlung nach Aachen – Zeit des Umbruchs

Zwischen 1792 und 1804 verlässt die Familie die Eifel und lässt sich in Aachen (bzw. Burtscheid) nieder. In den folgenden Jahren heiraten die Kinder Margaretha Gertrud (1804) und Jacobus (1809) bereits in Aachen. Der Familienname erscheint nun regelmäßig in der Schreibweise Egener – teils auch Eygener, Jean, George Pierre oder Jean Mathias, abhängig vom Schreiber und der Sprache des Dokuments.

Politischer Hintergrund: Die Region wurde nun Teil der Französischen Republik, später des Napoleonischen Kaiserreichs. Deutsch wurde durch Französisch im amtlichen Leben ersetzt, und viele Traditionen gerieten unter Druck. Auch die Verwaltung, das Bildungssystem und das Kirchenrecht wurden umgestaltet.

Georg Peter Egener stirbt am 17. Dezember 1807 in Aachen, kurz vor der Hochzeit seines Sohnes Johann Mathias.

Johann Mathias Egener – Leben im Wandel zwischen Frankreich und Preußen

Johann Mathias Egener, geboren am 17. Januar 1783 in Rott bei Hellenthal, war das vierte von neun Kindern des Schneiders Georg Peter Egener und seiner Ehefrau Anna Catharina Born. Er wurde am selben Tag in der örtlichen katholischen Kirche von Pfarrer Johannes Evangelist Schreiber getauft.

Zeitumstände: 1783 war das Ende der Regierungszeit Friedrichs des Großen. Die Region war noch Teil des Alten Reiches, doch erste Aufklärungsideen und Reformimpulse machten sich bereits bemerkbar. In Rott selbst blieb das Leben aber stark vom Rhythmus der Landwirtschaft und der Kirche bestimmt.

Über Johann Mathias’ Kindheit ist nichts überliefert. Wie die meisten Kinder seiner Zeit hatte er vermutlich keinen Zugang zu systematischer Bildung – eine allgemeine Schulpflicht wurde erst Jahrzehnte später durchgesetzt. Seine jüngste Schwester Magdalena wurde 1792 geboren, dem Jahr des Ausbruchs der Französischen Revolutionskriege, die das Rheinland grundlegend verändern sollten.

Umzug nach Burtscheid – Leben unter französischer Herrschaft

Zwischen 1790 und 1800 zog die Familie nach Burtscheid, damals eine selbst- ständige Stadt südlich von Aachen. Die Gründe für den Umzug lagen wahrscheinlich in besseren Arbeitsmöglichkeiten und der Nähe zu aufstrebenden Gewerbe- betrieben, insbesondere im Textilhandwerk.

Hintergrund: Ab 1794 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer. Die alte Herrschaftsordnung wurde abgeschafft, die Gebiete in das französische Staatsgebiet eingegliedert. Verwaltung, Justiz, Kirchenwesen und Sprache wurden stark französisch geprägt. Viele Namen in den Dokumenten wurden “französisiert”, so auch „Jean Mathias Egener“.

Johann Mathias arbeitete in Burtscheid als Weber (frz. drapier) – ein Beruf, der im Zuge der aufkommenden industriellen Textilverarbeitung an Bedeutung gewann.

Am 1. November 1807 meldeten sich Jean Mathias Egener und Anne Gertrude Pontz beim französischen Standesamt von Burtscheid zur Eheschließung an. Die Trauung fand am 30. Dezember 1807 statt, durchgeführt vom Zivilbeamten Hammer.

Reform durch Napoleon: Seit 1798 waren Eheschließungen nicht mehr ausschließ- lich kirchlich, sondern mussten standesamtlich erfolgen – ein bis dahin ungewohnter Vorgang. Taufen, Trauungen und Beerdigungen wurden nun doppelt dokumentiert: kirchlich und zivilrechtlich. Dass Gertrud Pontz die Urkunde selbst unterschrieb, deutet auf eine gewisse Bildung hin, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war – besonders bei Frauen.

Kurz vor der Hochzeit, am 17. Dezember 1807, starb Johann Mathias’ Vater Georg Peter Egener in Aachen.

Alltag im französisch besetzten Rheinland

Das erste Kind des Ehepaars wurde am 20. Mai 1808 geboren, starb aber noch am selben Tag. Ein Jahr später kam Pierre Joseph Egener zur Welt. Bei der Volks- zählung 1812 war die Familie in der Rue St. Jean Nr. 63 in Burtscheid registriert:

• Ehemann: Jean Mathias Egener (29), drapier (Tuchmacher)

• Ehefrau: Gertrude Pontz (23)

• Kinder: Joseph (3 Jahre), François (5 Monate)

• Weitere Haushaltsangehörige: Schwiegermutter Anne Catherine Pontz

Zeitgeschichtlicher Kontext: Die napoleonische Verwaltung brachte nicht nur neue Gesetze, sondern auch tiefgreifende Eingriffe in das Alltagsleben: Abschaffung der Feiertage, Einführung eines Revolutionskalenders, neue Maße und Gewichte. Viele Menschen hielten jedoch im Privaten an traditionellen Bräuchen fest. Für einfache Handwerker blieb die französische Zeit ambivalent – einerseits bot sie rechtliche Sicherheit, andererseits belasteten sie Steuern und Rekrutierungen.

Am 5. August 1814, also wenige Monate nach dem Ende der französischen Herrschaft, wurde das vierte Kind der Familie geboren: Gregoire Jean Egener, mein Ur-Ur-Ur-Großvater.

Politischer Umbruch: Mit der Niederlage Napoleons fiel das Rheinland 1815 an Preußen. Damit änderten sich Sprache, Verwaltung und Bildungswesen erneut – diesmal unter protestantisch-preußischem Einfluss. Für die katholische Bevölkerung des Westens begann damit ein neuer Abschnitt in einem sich wandelnden deutschen Staat.

Johann Gregor Egener – Tuchscherer in Burtscheid

Johann Gregor Egener wurde am 5. August 1814 in Burtscheid geboren – in eine Zeit politischer Neuordnung, nur wenige Monate nach dem Ende der französischen Herrschaft. Er war der Sohn des Webers Johann Mathias Egener und Gertrud Pontz, wuchs in einem von Handwerk und Textilproduktion geprägten Umfeld auf und trat später als Tuchscherer in das örtliche Erwerbsleben ein.

Zeitumstände: Burtscheid lag in einer der wichtigsten Textilregionen des Rheinlandes. Die Verarbeitung von Wolle, Tuch und Garn war zentrale Lebensgrundlage. Ein Tuchscherer hatte dabei die Aufgabe, fertig gewebte Tuche zu glätten und überstehende Fasern sorgfältig zu scheren – ein Beruf, der sowohl Präzision als auch Erfahrung verlangte.

Eheschließung und erste Jahre als Familienvater

Am 7. Juli 1838 heiratete Johann Gregor in Aachen Magdalena Corban, die am 19. April 1815 in Burtscheid geboren worden war. Sie war zunächst unehelich – ihre Eltern Johann Corban und Maria Anna Thimus heirateten jedoch im Folgejahr (8. Juni 1816), wodurch sie legitimiert wurde. Diese Tatsache wurde später in amtlichen Unterlagen ausdrücklich festgehalten.

Die Berichtigung eines amtlichen Fehlers (1868)

Ein bemerkenswertes Dokument aus dem Jahr 1868 gewährt einen seltenen Einblick in den Alltag und die Herausforderungen der Familie Egener-Corban: Ein Urteil des Königlichen Landgerichts Aachen vom 14. September 1868 belegt, wie ein schlichter Fehler bei der Geburtsregistrierung ihres Sohnes Heinrich Egener rechtliche Folgen hätte haben können.

Als Heinrich am 30. Mai 1854 geboren wurde, wurde im Geburtsregister versehentlich “Helena Thimmes” als Mutter eingetragen – vermutlich ein Schreibfehler, bei dem der Name der Großmutter mütterlicherseits (Thimister/Thimus) fälschlich übernommen wurde. Diese Abweichung hätte bei späteren amtlichen Vorgängen – etwa bei Erbschaften oder der Eheschließung – problematisch sein können.

Die Familie wandte sich an das Landgericht, das nach Prüfung der Unterlagen die Berichtigung der Geburtsurkunde anordnete. Bemerkenswert ist dabei:

• Die Familie erhielt “Armenrecht”, also kostenfreien Rechtsbeistand durch Justizrat Koenen – ein Hinweis auf begrenzte finanzielle Mittel.

• Trotz der einfachen Lebensverhältnisse war das Bewusstsein für amtliche Korrektheit und rechtliche Absicherung vorhanden.

• Die Beteiligten legten Zeugnisse und frühere Urkunden vor – ein Glücksfall für die heutige Familienforschung.

Letzte Jahre

Johann Gregor Egener starb am 14. Februar 1870 in Burtscheid, nur wenige Jahre vor der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Sein Leben war geprägt von Wandel: Er wurde in der letzten Phase der napoleonischen Zeit geboren, wuchs unter preußischer Ordnung auf, und arbeitete in einer Region, die durch Textilindustrie und wachsendes städtisches Leben geformt wurde. Seine Lebensgeschichte zeigt, wie sehr amtliche Genauigkeit, Berufsethik und familiärer Zusammenhalt auch in einfachen Verhältnissen geschätzt wurden.

Joseph Egener – Ein Leben zwischen Tradition und Wandel

Joseph Egener (mein Ur- Ur- Großvater) wurde am 30. Januar 1848 in Burtscheid geboren – in einer Zeit, in der das Rheinland tief im Spannungsfeld zwischen Industrialisierung, kirchlicher Tradition und dem wachsenden preußischen Einfluss stand. Als Sohn des Tuchscherers Johann Gregor Egener und Magdalena Corban wuchs Joseph in einem Handwerkerhaushalt auf, geprägt von Bescheidenheit, aber auch Genauigkeit im Umgang mit amtlichen und familiären Angelegenheiten.

Zeitumstände: In den 1850er- und 60er-Jahren wandelte sich Burtscheid zunehmend von einer handwerklich geprägten Kleinstadt zu einem Vorort des expandierenden Aachen. Die Textilindustrie boomte, Eisenbahnlinien wurden ausgebaut, und auch politische Umbrüche – wie die Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 – veränderten das öffentliche Leben.

Am 3. Oktober 1874 heiratete Joseph die aus Burtscheid stammende Maria Zimmermann. Aus dieser Ehe ging Peter Egener hervor, mit dem die Linie fortgeführt wurde.

Josephs Leben fiel in die Phase des Deutschen Kaiserreichs, das 1871 unter preußischer Führung gegründet wurde. Die Einführung der Reichsmark, die Vereinheitlichung des Rechtswesens und die staatlich gelenkte Kirchenpolitik (Kulturkampf) prägten auch das Alltagsleben katholischer Familien im Rheinland.

Trotz dieser großen Entwicklungen blieb das Leben vieler Familien im Lokalen verwurzelt. Joseph scheint, soweit überliefert, in Burtscheid geblieben zu sein – ein Zeichen für die enge Bindung an den Ort, der seiner Familie über Generationen hinweg Heimat war.

Joseph Egener starb am 31. Oktober 1901 in Burtscheid – kurz nach der Jahrhundertwende, in einer Zeit des technischen Fortschritts, aber auch wachsender sozialer Gegensätze. Seine Lebensspanne reichte vom Vormärz bis ins beginnende industrielle Zeitalter – ein stilles, aber stabiles Leben, eingebettet in die Geschichte einer Region im Umbruch.

Peter Egener – Ein Familienvater im Zeitalter der Moderne

Peter Egener (mein Urgroßvater) wurde am 19. September 1875 in Aachen geboren. Er wuchs in einer Zeit auf, in der Aachen sich vom alten Kaiserstadtbild zur modernen Industriestadt wandelte. Die Straßen wurden elektrifiziert, Eisenbahn und Nahverkehr prägten das Stadtbild – und Peter selbst wurde Teil dieser Entwicklung: Er arbeitete als Kleinbahnwagenführer, also im innerstädtischen oder regionalen Schienenverkehr.

Ehe und Familie

Am 20. Oktober 1900 heiratete Peter die Erzieherin Maria Catharina Schmetz. Zu dieser Zeit wohnte er in Aachen, Mühlradstraße 8, später (1902) dann in der Krugenofen 6 – beides typische Arbeiter- und Handwerkerviertel der Stadt. Das Ehepaar bekam neun Kinder:

Leonhard (geb. 1902)

Maria Anna (1903)

Katharina (1905)

Nikolaus (1906)

Josef (1907)

Johann (1908)

Elise (1909)

Franziska (1912)

Johannes (1914)

Diese Kinder wuchsen in einer Welt auf, die zwischen technischer Moderne und den politischen Krisen des frühen 20. Jahrhunderts schwankte.

Leben in bewegter Zeit

Peter Egeners Familienleben fiel in die Zeit der Kaiserzeit, des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik. Als der Krieg 1914 begann, war er fast 40 Jahre alt, seine älteren Kinder noch im Schulalter. Wahrscheinlich war er selbst nicht mehr wehrpflichtig, doch seine Familie erlebte die Härten des Kriegs mit: Lebensmittel wurden knapp, Väter und Brüder eingezogen, der Alltag wurde mühsam.

Nach dem Krieg geriet das Rheinland, also auch Aachen, unter alliierte Besatzung. Zwischen 1923 und 1925 wurde Aachen zeitweise von belgischen Truppen kontrolliert. Es war eine Phase der Unsicherheit – auch wirtschaftlich: Die Inflation 1923 ließ Ersparnisse über Nacht wertlos werden. Erst mit der Währungsreform 1924 und der Stabilisierung in den späten 1920er-Jahren verbesserte sich die Lage langsam.

Letzte Lebensjahre

Peter Egener erlebte auch den Zweiten Weltkrieg und die schwierige Nachkriegszeit. Er starb am 29. Januar 1953 in Aachen, nach einem langen Leben, das fast acht Jahrzehnte umspannte – von der Kaiserzeit über zwei Weltkriege bis in die frühe Bundesrepublik. Seine zahlreichen Kinder trugen den Namen Egener in eine neue Zeit.

Leonhard Egener – Leben durch zwei Weltkriege

Leonhard Egener, geboren am 1. August 1902 in Aachen, war das älteste Kind von Peter Egener und Maria Catharina Schmetz. Wie sein Vater arbeitete er als Kleinbahnführer – ein Beruf, der Präzision, Verantwortung und Verlässlichkeit ver- langte. Der Beruf war typisch für die wachsenden Städte im frühen 20. Jahrhundert, in denen der öffentliche Nahverkehr zur Lebensader des Alltags wurde.

Eine junge Familie im Krisenjahr

Am 28. Juli 1925, nur wenige Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs, heiratete Leonhard Elisabeth Dautzenberg. Im selben Jahr kam ihr erster Sohn Peter zur Welt. Die Ehe blieb fruchtbar, trotz wirtschaftlich angespannter Zeiten. Es folgten:

Maria (1928)

Therese (1930)

Rudolf (10. Mai 1932)

Leo (1934–1934)

Privat

Privat

Die 1920er- und 30er-Jahre waren für die junge Familie von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt. Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf auch Deutschland hart. Arbeitslosigkeit, Inflation und politische Spannungen bestimmten den Alltag.

Familie im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 fiel in eine Phase, in der die Familie schon fest im Leben stand. Die älteren Kinder gingen zur Schule, Leonhard arbeitete weiterhin als Kleinbahnführer. Der Zweite Weltkrieg brachte neue Heraus- forderungen: Luftangriffe, Rationierungen, Dienstverpflichtungen und die allgemeine Unsicherheit prägten die Jahre ab 1939.

1944 wurde der jüngste Sohn Heinz in Verl geboren – vermutlich war die Familie zu diesem Zeitpunkt evakuiert worden. Verl liegt in Westfalen, fern von Aachen, das im Krieg stark zerstört wurde.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg kehrte Leonhard mit seiner Familie in die zerstörte Heimatstadt zurück. Es war eine Zeit des Wiederaufbaus, der Improvisation, aber auch des Neuanfangs. In der jungen Bundesrepublik setzte sich Leonhards Lebensweg ruhig fort.

Elisabeth, seine Ehefrau, starb 1967. Ein Jahr später, 1968, heiratete er ihre Schwester Josefine – eine Verbindung, die in dieser Generation nicht unüblich war. 

Leonhard Egener starb am 23. September 1980 im Marienhospital Aachen, im Alter von 78 Jahren. Sein Leben spannte sich über das deutsche Kaiserreich, zwei Weltkriege und die wirtschaftliche Erneuerung der Nachkriegszeit hinweg. Er hinterließ eine große Familie, die ihren Platz in der neuen Zeit fand. 

Die Familie Egener bei der Aachener Straßenbahn – Drei Generationen im Fahrdienst

Die Geschichte der Familie Egener bei der ASEAG (Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG) ist ein bemerkenswertes Beispiel für familiäre Kontinuität, Berufsethik und den Wandel des öffentlichen Nahverkehrs im Raum Aachen – über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren.

Familientradition bei der ASEAG in Aachen

Peter Egener, geboren 1875 in Aachen, trat im Jahr 1900 im Alter von 25 Jahren in den Fahrdienst der Aachener Straßenbahn ein. Er blieb seinem Beruf über 38 Jahre treu – von der Kaiserzeit über den Ersten Weltkrieg bis weit in die Weimarer Republik hinein. Sein Einsatz reichte bis zu seinem Tod im Jahr 1953.

Er war mit großer Überzeugung Straßenbahnfahrer, auch wenn er selbst den Beruf seinen Söhnen nicht unbedingt empfahl – zu unregelmäßig, zu fordernd. Einer seiner Söhne erinnerte sich später: „Wir Kinder haben Vater eigentlich gar nicht richtig gekannt.“

Die Arbeitsbedingungen zur Jahrhundertwende waren hart: bis zu 14 Stunden pro Tag, nur alle 14 Tage ein freier Tag. Ein Schaffner verdiente 2,70 Mark pro Schicht, der Fahrer nur geringfügig mehr. Dennoch galt die Arbeit als angesehen.

Peter Egener fuhr lange Zeit die Strecke von Aachen nach Maria-Grube, den sogenannten „Bergmanns-Wagen“. Der Kontakt zu den Fahrgästen war persönlich. Man kannte sich, wartete, wenn jemand fehlte – oft gab es ein freundliches Wort oder einen Schluck aus der „Bergmanns-Pulle“.

Sein Grundsatz:

„Wenn du ein guter Fahrer sein willst, dann fahr immer so, als wäre der Wagen dein Eigentum.“

Die zweite Generation – Drei Söhne folgen dem Vater

Trotz seines Rats schlugen drei von vier Söhnen den gleichen beruflichen Weg ein:

Josef Egener (geb. ca. 1896, gest. 1930) begann 1910 mit 14 Jahren als Lehrling in der Werkstatt der ASEAG. Nach der Ausbildung wurde er Straßen- bahnfahrer, starb aber bereits 1930 an einer Krankheit.

Leonhard (Leo) Egener (1902–1980), ursprünglich Schuhmacher, wechselte 1924 zum Fahrdienst. Fast 25 Jahre fuhr er Straßenbahn, anschließend war er noch zehn Jahre im Innendienst tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er vorzeitig pensioniert.

Johannes Egener (geb. 1914) trat 1939, ein Jahr nach der Pensionierung des Vaters, in den Dienst der ASEAG ein. Er fuhr Straßenbahn, Obus und später Bus – zuletzt auf der Linie 12. Er hielt die Familientradition bis in die Nachkriegszeit aufrecht.

Der vierte Sohn blieb außerhalb des Fahrdienstes; über ihn liegen keine dienstlichen Angaben vor.

Die dritte Generation – Peter Egener (geb. 1925)

Peter Egener, Sohn von Leonhard, wurde 1925 geboren. Er erlernte zunächst bei Talbot den Beruf des Spritzlackierers. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegs- gefangenschaft 1948 war er durch eine Handverletzung beruflich eingeschränkt. Er meldete sich bei der ASEAG – und trat damit als vierte Egener-Generation in den Betrieb ein.

Peter Egener fuhr oft dieselben Linien wie sein Vater. Wenn sie sich unterwegs begegneten, winkten sie sich zu – ein stilles Zeichen familiärer Verbundenheit, das Peter noch von seinem eigenen Großvater kannte.

Wegen gesundheitlicher Probleme musste er später den Fahrdienst aufgeben und arbeitete in der Lohnbuchhaltung der ASEAG weiter.

Fazit – Ein halbes Jahrhundert an der Kurbel

Vier Generationen der Familie Egener haben das Gesicht des öffentlichen Nahverkehrs in Aachen mitgeprägt – zuerst auf Schienen, später mit dem Bus. Die ASEAG würdigte die Familie in ihrer Mitarbeiterzeitschrift als Vorbild für Verlässlich- keit, Pflichtbewusstsein und Zusammenhalt. Was als einzelner Berufsweg begann, wurde zu einer gelebten Familientradition – selten, aber umso bedeutender.

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